Confirmation Bias

Der Duden nennt für Bias bloß die sehr spezielle Bedeutung einer »durch falsche Untersuchungsmethoden (z. B. Suggestivfragen) verursachte Verzerrung des Ergebnisses einer Repräsentativerhebung«. Das Englische verwendet den Begriff allgemeiner als Verzerrung, Denkfehler.

Ein C. B. – »der Vater aller Denkfehler« (Dobelli, Klar denken, klug handeln, München 2011, 29) – liegt vor, wenn wir Informationen so interpretieren, dass sie unsere bestehenden Annahmen bestätigen, oder wir sie bei Widersprüchen sogar ignorieren. Das ist bequem, wahrscheinlich menschlich, zumeist beraubt es uns aber wohl besserer Einsichten und kann zuweilen destruktive Folgen haben.

Als ich kürzlich über Dobellis gewitzte Beschreibung des C. B. nachdachte, erkannte ich an mir einen Spezialfall dieses Denkfehlers: Negatives Denken, gepaart mit einem starken inneren Kritiker lässt mich bisweilen viele Informationen in deren einseitigem Licht betrachten. Weist meine Arbeit etwa einen Fehler auf, benutze ich dieses Detail, um die Annahme zu bestätigen, ich leiste nicht genug – und ignoriere dabei mein sonstiges Niveau an Fehlerarmut und eine Vielzahl an positiven Rückmeldungen von Partnern, Kunden und Freunden.

Was lerne ich daraus? – Für den Moment zumindest, dass ich meine mentalen Verschrobenheiten und Pathologien auch als bloßen, gar nicht so extravaganten Denkfehler betrachten darf.