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Wagemut

Wagemut

Liegt es an meiner déformation mentale, dass dieses schöne Wort beinahe nach Harakiri klingt? Vielleicht ist es aber, wenn ich will, auch wieder so eine »Halb voll«-Frage, bei der sich Übung auf lange Sicht auszahlt. Jedenfalls hat mich ZEIT ein weiteres Mal mit einem Fundstück 

Wandern

Wandern

W. ist Gehen in Potenz. Klingt vielleicht in dem einen oder anderen Ohr leicht piefig, so nach Alte-Leute-Hobby mit (Achtung, terminus technicus) Stocknagel für jedes absolvierte Revier. Macht aber alles nix, bin ja auch nicht mehr ganz neu. W. ist Aufbruch, gemäß Ratgeberphrasen-Katalog beginnt ja 

weitermachen

weitermachen

Ja, es gibt sie natürlich, die Tage, an denen ich mich wieder klein, traurig und einsam fühle und sich mir innerlich die Fragen aufdrängen: »Rückenübungen, wozu eigentlich? Muss das sein? Meditation – wtf?«

Die Antwort versuche ich auf dem Fuße folgen zu lassen: »Sitz, schwarzer Hund!« (Brauche ich eigentlich noch einen Namen für den Kerl?)

Dabei fällt mir ein, was mir einmal jemand in der Selbsthilfegruppe gesagt hat: »Stell dir vor, du steckst in einer Blase. Da drin geht es dir nicht richtig gut, manchmal sogar ziemlich schlecht. Aber immerhin kennst du dich gut aus, irgendwie ist es also recht kuschelig warm. Streckst du die Nase raus, ist alles ungewohnt und kalt, macht dir Angst. Also ziehst du die Nase wieder zurück.«

Das ist die Kehrseite von Routinen, es gibt sie nicht nur im Guten. Wäre andererseits auch irgendwie verwunderlich, wenn viele Jahre Depressonsgeschichte einfach per Knopfdruck abzuschalten wären. – Also: immer schön üben, die Nase ins Neue zu strecken, weitermachen!