Thunder Road

Thunder Road

Was eigentlich ist großartiges, zeitloses Songwriting? – Das allgemein Menschliche fühlbar zu machen. Ein Künstler, der dies in wenigen Worten, mit empathischer Lakonie beherrscht, ist Bruce Springsteen. Für mich ist sein Talent, unser aller Sehnsüchte in bewegende Geschichten zu fassen, maßgeblich nachhörbar in den legendären Live-Aufnahmen mit der E-Street-Band aus den Jahren 1975 bis 1985. Man höre nur einmal das persönlich-erzählende Intro zu »The River« …

Und »Thunder Road«? In meinen Augen kann es kaum einen Song geben, der in wenigen Zeilen mehr neuralgische Punkte des Menschseins auf den stimmigen Punkt bringt: Manchmal kann ich mich selbst nicht allein ertragen, manchmal sorge ich mich, nicht mehr jung genug zu sein für das Glück. Doch wenn ich vertraue, kann der Moment magisch werden (das ist Hoffnung!); vor allem wenn wir Akzeptanz an den Tag legen: Ich muss kein Held sein, nicht eine Schönheit – ok zu sein, reicht meist vollkommen aus, wenn wir uns unverstellt aufeinander einlassen. Und wenn wir uns dann noch trauen, die Haustür hinter uns zu lassen, können wir die Chance im Jetzt ergreifen.

Ist das kitschig? Vielleicht. Aber jedenfalls liegt in den Worten von »Thunder Road« das Potential, unsere postmoderne Abgeklärtheit für einen Augenblick hinter uns zu lassen und uns mit allen widerstreitenden Gefühlen zu zeigen, es auf eine echte Begegnung ankommen zu lassen.

Hier geht’s zur Aufnahme aus dem Londoner Hammersmith Odeon.