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Bedürfnisse

Bedürfnisse

Vielen Menschen mit psychischen Erkrankungen ist gemeinsam, dass sie mit zunehmender Dauer und Belastung ihre Bedürfnisse aus dem Blick verlieren oder nicht mehr aktiv vertreten können. Bei mir hängt dies oft mit Zwischenmenschlichem zusammen, denn mich mit meinen Bedürfnissen dem Gegenüber zuzumuten (wie eine frühere 

Bewertung

Bewertung

Mistwetter, toller Film, mir gehts gut – unablässig bewerten wir Zustände und Eigenschaften unserer Lebenswelt, urteilen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der evolutionäre Nutzen ist leicht auszumalen: Sicherheit vor Gefahren, sozialer Zusammenhalt, Identität. Geht uns aufgrund psychischer Belastungen dafür aber der rechte Maßstab minimal-selbstfürsorglicher 

Böhmermann

Böhmermann

Komma Jan, deutscher Moderator, hat sich jüngst im »Magazin Royal« des ZDF mit dem deutschen Mangel an Therapieplätzen beschäftigt (danke für den Tipp, Georgia!).

Sinnvollerweise beharrt er darauf, dass es nicht etwa zu wenige Psychotherapeutinnen gebe, nein, es gibt lediglich zu wenige Kassensitze. Dieser Mangel an Kassensitzen ist nicht etwa demokratisch legitimiert, sondern wird im »Kroketten-Kreis« beschlossen, im von den mächtigen Krankenkassen dominierten Gemeinsamen Bundesausschuss.

Hoffen wir mit J. B. weiterhin darauf, dass keine wartende Patientin das Bundesverfassungsgericht gegen diesen Missstand anruft? Auf jeden Fall machen wir uns nicht einfach ein Bier auf und reißen uns zusammen.

Hier ist der Beitrag bei Youtube nachzuschauen.

Confirmation Bias

Confirmation Bias

Der Duden nennt für Bias bloß die sehr spezielle Bedeutung einer »durch falsche Untersuchungsmethoden (z. B. Suggestivfragen) verursachte Verzerrung des Ergebnisses einer Repräsentativerhebung«. Das Englische verwendet den Begriff allgemeiner als Verzerrung, Denkfehler. Ein C. B. – »der Vater aller Denkfehler« (Dobelli, Klar denken, klug handeln

Corona-Burn-out

Corona-Burn-out

Was Covid-19 nicht nur für Menschen mit psychischen Erkrankungen bedeutet, darüber habe ich mir ja schon einmal Gedanken gemacht. Doch noch einmal konkret, was macht die Pandemie mit den »Normalen«(1)? Die ZEIT hält in einem Artikel vom 8. April fest: »Ich dreh‘ gleich durch – 

Covid-19

Covid-19

Das Leben in Zeiten der Corona-Pandemie ist für Erkrankte und ihre Angehörigen fürchterlich, hält aber bekanntlich auch für alle anderen gewisse Eigentümlichkeiten bereit.

Menschen, die unter sozialen Ängsten leiden, fühlten sich zumindest anfangs der Kontaktbeschränkungen bisweilen erleichtert – Vermeidung ist das neue Normal, eine Mund-Nasen-Bedeckung kann sich nach Schutz anfühlen. Vielen anderen hingegen, die auf ein funktionierendes soziales Netz jenseits »sozialer« Medien angewiesen sind, um sich zu regulieren (festes Treffen mit der besten Freundin, Training im Sportverein, um nur zwei Beispiele zu nennen), ging es bedeutetend schlechter. Allein der Ausfall nicht angeleiteter Selbsthilfegruppen schon im ersten »Lockdown« war für viele belastend, Aufenthalts- und Kontaktmöglichkeiten wie Tagesaufenthalte, soziale Cafés und mehr fehlten Betroffenen von psychischen Erkrankungen stark.

Nicht Angst vor Ansteckung, sondern der Wegfall von Netz und Routine belasten Menschen mit Depressionen stärker als andere Bürger.

Dabei frappiert mich eine Parallele: Alle Menschen müssen auf lieb gewonnene Routinen verzichten und fühlen sich dadurch teils enorm in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt – das geht »den ganz normalen Menschen wie Du und ich« ebenso wie Menschen mit psychischen Erkrankungen. Keine Urlaubsreise, keine Café-Verabredung nach Feierabend, kein Saunanachmittag, kein Kinobesuch … Mir fällt auf, wie sehr das einen großen Teil der Menschen an den Rand der Belastbarkeit bringt. »Shopping« scheint so wichtig für das seelische Gleichgewicht unserer Breiten zu sein, dass – berechtigt verzweifelte – Einzelhändler mit Modeauswahl zum Mitnehmen durch die Eingangstür auf offene Arme treffen und Online-Handel boomt.

In meinen Augen zeigt dies vor allem eins, wie fragil unser menschliches Leben von den Kontexten und Beziehungen abhängt, in denen wir uns bewegen – ob wir uns nun bewusst mit einer psychischen Erkrankung auseinandersetzen oder nicht. Vielleicht kann die Erfahrung dieser Pandemie und der sozialen Einschränkung in der Rückschau einmal dafür gut gewesen sein: Dass wir besser zu sehen lernen, wie psychische Erkrankung auch nur in Graden von der sogenannten Normalität abweicht.

Bild von Daniel Roberts auf Pixabay

Dachs

Dachs

Das bin ich, zumindest mit familieninternem Spitznamen. Dabei wird der Artikel gern mitverwendet, so wie man sagt: »der alte Fritz«, »der Willem« – halt »der Dachs«. Warum kosen Frau und Sohn mich so? Nach meiner Erinnerung kam der Impuls auf einer Autofahrt (ja, damals in 

Dankbarkeit

Dankbarkeit

Auch darauf hat mich Shetty mit der Nase gestoßen: Dankbarkeit verbindet mich auf eine positive und erfüllende Weise mit Menschen und Dingen. Manchmal sage ich es mir innerlich vor – etwa »ich bin dankbar für meine guten Schuhe und meine gesunden Beine«, wenn ich gerade 

Defusion

Defusion

»Kognitive D.« ist das Gegenstück zur »kognitiven Konfusion«, wenn wir – insbesondere in Zeiten großer psychischer Belastung – nicht mehr zwischen unseren Gedanken und der Realität unterscheiden können, bspw. also unser negatives Denken dazu führt, dass wir uns wirklich schlecht fühlen (ganz unabhängig von »realen« Anlässen außerhalb unserer Gedanken). Das war jetzt mal wieder ein ganz schön langer Satz; trotzdem soweit verständlich?

Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie setzt dem die Akzeptanz auch der negativen Gedanken und Gefühle entgegen sowie die Orientierung unserer Handlungen an Werten und Zielen. Mit anderen Worten werden unsere Handlungen auf diese Weise von den negativen Gedanken entkoppelt – das ist hier der Sinn des Begriffs »D.«.

Warum gerade dieser Ansatz, sagt man gewöhlich nicht »Hey, sieh das Glas doch einfach mal als halb voll an!«? – Weil das ncht so einfach ist und bisweilen der scheiternde Versuch verzweifelt positiven Denkens nur den bisherigen Rahmen des Denkens und damit die Problemlage stabilisiert.

Bild von Derek Robinson auf Pixabay

Depression kurzgefasst

Depression kurzgefasst

Mein Sohn ist 13 und ein ziemlich großartiger Kerl. Als ich kürzlich in die Tagesklinik des Kieler Fenster ging, hat er sich bereit erklärt, an einem therapeutischen Familiengespräch teilzunehmen – vor allem, damit seine Sichtweise und Bedürfnisse als Angehöriger eines Depressionskranken einmal in den Vordergrund