{"id":177,"date":"2021-05-01T18:16:42","date_gmt":"2021-05-01T16:16:42","guid":{"rendered":"https:\/\/depressions-abc.de\/?post_type=encyclopedia&#038;p=177"},"modified":"2021-05-01T18:16:42","modified_gmt":"2021-05-01T16:16:42","slug":"materialismus","status":"publish","type":"encyclopedia","link":"https:\/\/depressions-abc.de\/?encyclopedia=materialismus","title":{"rendered":"Materialismus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap has-medium-font-size\">Der M. ist eine Argumentation, die \u2013 insbesondere in Bezug auf den Menschen \u2013 alle Vorg\u00e4nge und Wirkungen durch Materie und K\u00f6rperliches erkl\u00e4ren will. Da hierbei die m\u00f6gliche Einwirkung einer zweiten, geistigen oder seelischen Substanz geleugnet wird und also die Komplexit\u00e4t von Erkl\u00e4rungskonzepten abnimmt, wird er auch Reduktionismus oder reduktionistischer M. genannt. (1) Die heute allgegenw\u00e4rtigen bildgebenden Verfahren neigen dazu, Reduktionismen nach sich zu ziehen. Sch\u00f6n kritisiert hat das die Darmst\u00e4dter Philosophin Petra Gehring in ihrem Aufsatz \u00bbEs blinkt, es denkt\u00ab von 2004.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Was hat das mit Depressionen zu tun? \u2013 Nun, wer die Position vertritt, Depression sei ausschlie\u00dflich eine Erkrankung des Hirnstoffwechsels und also ausschlie\u00dflich mit Medikamenten (> SSRI) zu behandeln, der reduziert die menschliche Psyche auf physiologische Vorg\u00e4nge; ein klarer M.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Johann Hari gibt in seinem Buch \u00bbDer Welt nicht mehr verbunden\u00ab Studien wieder, die den Zusammenhang von traumatischen Kindheitserfahrungen und dem Auftreten von Depressionen belegen \u2013 sogar als Dosis-Wirkungs-Relation: je schwerer die Traumatisierung, desto h\u00f6her das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Der Internist Allen Barbour kommt (in den Worten Haris) deshalb zu der Bewertung, Depression sei \u00bbkeine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf widrige Lebenserfahrungen\u00ab (2).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Zwischen Schwarz und Wei\u00df liegt bekanntlich Grau. Und selbst wenn die Welt der Depression vielleicht nicht unbedingt passend als bunt bezeichnet werden kann, so liegt doch auch hier die Wahrheit tendenziell in der Mitte: Traumatische Erfahrungen k\u00f6nnen <em>angemessene<\/em> Verarbeitungsreaktionen notwendig machen, die trotzdem in ihren <em>Folgen<\/em> krankhafte Wirkungen hervorrufen. Und sei es, weil <em>ehemals<\/em> angemessene Reaktionen <em>gegenw\u00e4rtig<\/em> nicht mehr notwendig und also nicht mehr angemessen sind. Wenn au\u00dfederm zwar Ver\u00e4nderungen im Hirnstoffwechsel nicht Ursache der Depression, sondern ihre Folge sind, so kann es dennoch besser sein, mittels Medikamenten an den Symptomen anzugreifen, als gar nichts zu tun. Deshalb w\u00fcrde ich noch lange nicht glauben, dass das ausreicht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>(1) Wikipedia bietet auch hier einen guten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Materialismus\" target=\"_blank\">Einstieg<\/a>, wer es ausf\u00fchrlicher mag \u2013 auch bspw. bez\u00fcglich der Unterscheidung von historischem und dialektischem M. \u2013, der findet Aufschluss etwa im \u00bbHistorischen W\u00f6rterbuch der Philosophie\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Johann Hari, Der Welt nicht mehr verbunden. Die wahren Ursachen von Depressionen \u2013 und unerwartete L\u00f6sungen. Hamburg 2021, S. 176 ff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Bild von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/geralt-9301\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=605603\">Gerd Altmann<\/a> auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=605603\">Pixabay<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der M. ist eine Argumentation, die \u2013 insbesondere in Bezug auf den Menschen \u2013 alle Vorg\u00e4nge und Wirkungen durch Materie und K\u00f6rperliches erkl\u00e4ren will. Da hierbei die m\u00f6gliche Einwirkung einer zweiten, geistigen oder seelischen Substanz geleugnet wird und also die Komplexit\u00e4t von Erkl\u00e4rungskonzepten abnimmt, wird er auch Reduktionismus oder reduktionistischer M. genannt. 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